Einladung: 17. Jänner 2007

„An ihn erinnern Sie mich so sehr“
Arthur Schnitzlers Beziehung zu Franz Grillparzer
Vortrag: Dr. Renate Wagner-Wesemann

Österreichische Gesellschaft für Literatur 1010 Wien, Herrengasse 5, Mittwoch, 17. Jänner 2007, 19 Uhr

Einladung: 13. Dezember 2006

Musikalisch literarischer Abend
mit Heinz Zuber (Rezitation und Gesang) und Norbert Niedermayer (Gitarre und Gesang)

Vortrag: Dr. Renate Wagner-Wesemann

Bezirksmuseum Döbling – Villa Wertheimstein, 1190 Wien, Döblinger Hauptstraße 96, Mittwoch, 13. Dezember 2006, 19 Uhr

Nach der Veranstaltung Führung durch das Bezirksmuseum Döbling durch Dr. Erich Kittel

Aufführung

„Medea“ in Graz

Premiere 27. September 2006

Dem Flüchtling ist nach einem Wort Alfred Polgars „die Heimat Fremde geworden, aber die Fremde nicht Heimat“. Die Kolcherin Medea hat diese Erfahrung gleich zweimal machen müssen: Aus Liebe zu Jason hat sie zuhause Vater und Bruder verraten und ist mit ihm (und dem geraubten goldenen Vlies) in seine Heimat Jolkos geflohen. Von dort wurden Jason und Medea, die man des Königsmords bezichtigt, verbannt und mit ihren beiden Söhnen von König Kreon in Korinth aufgenommen. Auch an dem neuen Exilort findet Medea, der die Griechen als einer „barbarischen“ Zauberin rätselhafte Hexenkünste zuschreiben, keine Ruhe. Kreon, der Machthaber über Gedeih und Verderb der Schutzsuchenden, setzt alles daran, das Ehepaar zu trennen und Jason mit seiner Tochter Kreusa zu vermählen. Um Medea loszuwerden, entzieht er ihr kurzerhand den Boden unter den Füßen: das Asylrecht.

Verlockt von dem Frauentausch und der Aufnahme in die so neue Wohlstandswunderwelt, stimmt Jason nur zu eilfertig der Abschiebung Medeas zu: „Nun will ich wieder Mensch unter Menschen sein“, lautet seine Losung. Medea soll das Feld räumen und außer Landes gebracht werden, aber ihre Kinder und vor allem das goldene Vlies, dieses Unterpfand materieller Besitzgier, soll sie zurücklassen. Medea, als Frau verspottet, „die die Wildnis ausgespien“ (Kreon), als Ehepartner gedemütigt, als Mutter ohnmächtig und als Flüchtling rechtlos gemacht, sieht sich aller Würde als Mensch beraubt und wie ein Tier in die Enge getrieben. Isoliert und um jeden Lebenssinn betrogen, lässt sie die Gewalt eskalieren – gegen ihre Kinder wie gegen sich selbst.
Grillparzers Drama enthüllt mit seinem Kesseltreiben einer zivilisiert scheinenden Gesellschaft gegen die um Asyl bittende Fremde Medea vor allem die barbarisch rohen Untergründe unserer eigenen sozialen Welt. In dieser Tragödie einer Enteignung des Selbst, der „Geschichte einer Seele im Kampf um ihr eigenes Bestehen“ (Heinz Politzer) spiegelt sich die Kolonialgeschichte unserer Gegenwart, die sich täglich an den Grenzen unseres Gelobten Landes Europa, an den Küsten Spaniens, in den Festungen von Ceuta und Marokko, in den Auffanglagern etwa der Insel Lampedusa, ereignet.
Textquelle: Website des Grazer Schauspielhauses

Medea Martina Stilp
Gora Martina Krauel
Kreusa Jaschka Lämmert
Jason Sebastian Reiß
Kreon Daniel Friedrich
Herold Steffi Krautz
Kind Floris Steinkellner, Elias Hönle, Marcell Bodó,
Valentin Gratl, Marcus Yates

Regie Anna Badora
Kostüme Anna Eiermann
Bühnenbild Paul Lerchbaumer
Choreographie Michael Schmieder

Jaschka Lämmert, Martina Stilp, Sebastian Reiß (Foto © Peter Manninger)

Einladung: 29. November 2006

„Ich bin ein Freund der Vergangenheit“

Auf den Spuren von Ferdinand von Saars
Novelle „Das Haus Reichegg“

Vortrag: Ass.-Prof. Dr. Margarete Wagner (Universität Wien)

Österreichische Gesellschaft für Literatur 1010 Wien, Herrengasse 5, Mittwoch, 29. November 2006, 19 Uhr
Vor hundert Jahren starb der zutiefst österreichisch gesinnte Erzähler Ferdinand von Saar, der im heutigen Literaturkanon völlig zu Unrecht marginalisiert wird.

Ziel dieses Vortrags soll es sein, diesen vernachlässigten Autor ins kollektive Gedächtnis zurückzurufen. Außerdem osllen dabei einige interessante Streiflichter auf seine Arbeitsweise geworfen werdne, denn Ferdinand von Saar griff bevorzugt auf der Realität entnommene Vorbilder zurück, die er jedoch so kunstvoll modifizierte, dass sie selbst seine Zeitgenossen oft nicht entschlüsseln konnten.

Die Vorbilder für die Figuren in der Novelle „Das Haus Reichegg“ waren zu ihrer Zeit nicht unbedeutende Kulturträger gewesen, von deren Leistungen wir auch heute noch ganz selbstverständlich zehren, obwohl deren Urheber wir bereits weitgehend vergessen haben. Auch ihnen soll mit diesem Vortrag ein Denkmal gesetzt werden.

Aufführung

„König Ottokars Glück und Ende“
im Burgtheater

Premiere 15. Oktober 2005

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen

(Premiere auf der Perner Insel 8. August 2005)

Der grausame Böhmenkönig Ottokar, glücksverwöhnt und unberechenbar, ist tot. Stattdessen ist mit dem bescheidenen Rudolf von Habsburg endlich Frieden in Österreich eingekehrt. Tyrannische Willkür wurde ersetzt durch gottesfürchtige Milde, und somit ist der Weg frei für eine Geschichte, die siebenhundert Jahre andauerte und den Titel trägt: „Die Habsburger in Österreich“.

Mit dieser Sichtweise aufs Stück sind seit der Uraufführung von „König Ottokars Glück und Ende“ viele Inszenierungen über die Bühne gegangen – Rudolf von Habsburg als Türsteher zum Eingang einer neuen, besseren Zeit. Dabei stellte sich heraus, was für eine großartige Projektionsfläche für die jeweiligen politischen Sichtweisen Grillparzers Stück bot. Eigentlich müsste es demnach „Die Machtübernahme der Habsburger als Entwicklung zum Guten, Gerechten, Geordneten“ heißen. Es heißt aber „König Ottokars Glück und Ende“ und davon handelt es – vom Glück und Ende eines Menschen und davon, dass das eine manchmal unmittelbar mit dem anderen zusammenhängt.

Als 1955 das Burgtheater mit „König Ottokars Glück und Ende“ wiedereröffnet wurde, waren der Premiere lange Diskussionen vorausgegangen. Zunächst sollte mit Goethes „Egmont“ das Stück eines Deutschen im neuen Haus am Ring gespielt werden. Durch beharrliche Interventionen von politischer Seite wurde das jedoch vereitelt und stattdessen das österreichische Drama schlechthin für den feierlichen Akt gewählt. Grillparzer selber notierte 1825 nach der Uraufführung seines Stücks: „Wer sich unter die volkstümlichen Kleien mischt, dem geschieht recht, wenn ihn die patriotischen Schweine fressen.“

Primislaus Ottokar, König von Böhmen Tobias Moretti
Margarethe von Österreich Elisabeth Orth
Benesch von Diedicz Karl Merkatz
Milota von Rosenberg Johannes Krisch
Zawisch von Rosenberg Nicholas Ofczarek
Berta, Beneschs Tochter Sabine Haupt
Braun von Olmütz, des Königs Kanzler Rudolf Melichar
Kunigunde von Massovien Bibiane Beglau
Rudolf von Habsburg Michael Maertens
Der alte Merenberg Paul Wolff-Plottegg
Seyfried Merenberg Daniel Jesch
Ottokar von Hornek Wolfgang Gasser
Burggraf von Nürnberg Johannes Terne
Herbott von Füllenstein Michele Cuciuffo
Heinrich von Liechtenstein Robert Reinagl
Kärntner Ronald K. Hein

Regie Martin Kušej
Bühne Martin Zehetgruber
Kostüme Heide Kastler
Musik Bert Wrede
Licht Reinhard Traub
Dramaturgie Sebastian Huber

(Quelle: Burgtheater-Web-Site)

Tobias Moretti, Bibiana Beglau (Foto © Reinhard Werner)

Tobias Moretti, Michael Maertens (Foto © Hans Jörg Michel)

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