Aufführung

„Das goldene Vließ“
im Schauspiel Köln

2014 im Schauspielhaus Hamburg

Premiere 8. Mai 2008

Hamburger Premiere 10. Mai 2014

„Das Goldene Vließ“, an dem Grillparzer von 1818 bis 1820 schrieb, ist ein dramatisches Weltgedicht, das über die private Tragödie Medeas weit hinausweist. Es geht um die katastrophale Begegnung zweier Kulturen, um die Unfähigkeit der Menschen, mit Fremden friedlich zu koexistieren. Im „Gastfreund“ bittet der Grieche Phryxus, der aus seiner Heimat flüchten muss, Aietes, den König von Kolchis, um Asyl und freundliche Aufnahme. Er beschenkt Aietes nicht nur mit Gold und anderen reichen Gaben, er übergibt ihm auch ein goldenes Widderfell – das Vließ, das er in Delphi einer Gottesstatue abgenommen hat. Aietes misstraut dem Fremden, heuchlerisch lädt er ihn zum Gastmahl ein. Nachdem er ihn entwaffnet hat, ermordet er Phryxus, der sterbend Aietes, seine Familie und sein Volk für die Missachtung des Gastrechtes verflucht.

Im zweiten Teil der Trilogie landen wieder Griechen in Kolchis. Unter der Führung von Jason, einem Königssohn aus Jolkos, wollen die „Argonauten“ – benannt nach ihrem Schiff Argo – den Tod des Phryxus rächen und das Goldene Vließ zurück nach Hellas bringen. Aietes sucht Hilfe bei seiner Tochter Medea, die mit zauberischen Kräften begabt ist. Medea verspricht, den Kampf gegen die Griechen zu unterstützen – bis Jason vor ihr steht. Wie vom Blitz getroffen fühlt sie sich von dem Fremden angezogen. Auch Jason verliebt sich in Medea und will sie als Braut in seine Heimat führen. Als er sie und das Vließ auf sein Schiff bringen will, stellt sich ihm ihr Bruder in den Weg. Jason will sich mit ihm freies Geleit von Aietes erpressen. Daraufhin stürzt sich Medeas Bruder von der Klippe in den Tod. Aietes bricht am Ufer zusammen. Der letzte Teil der Trilogie erzählt vom grausamen Ende der Liebe von Jason und „Medea“; seit Euripides ist diese Geschichte weltberühmt. Jahrelang irren beide durch Hellas, immer wieder werden sie vertrieben, weil die Griechen Angst vor den „Künsten“ der „Barbarin“ haben und Jasons Verbindung mit ihr nicht akzeptieren. Endlich bitten sie bei Kreon, dem König von Korinth, um Asyl. Kreon, der Jason von Jugend auf kennt und schätzt, räumt zunächst beiden das Gastrecht ein. Trotzdem entspannt sich die Lage nicht. Jason flirtet mit Kreusa, der Tochter Kreons. Die Situation eskaliert…

„Nimm Sieg und Rache hin!“ unter dieser Losung glaubte Phryxus einst das Vließ vom Gott erhalten zu haben. Den destruktiven Sinn dieser Losung buchstabiert Grillparzer in seinem Trauerspiel bis zum bitteren Ende durch. Er zeigt, wie brüchig unsere Selbstbilder und Wahrnehmungen des Anderen sind: Zivilisation und Barbarentum, Kultur und Natur sind nur zwei Seiten derselben menschlichen Natur. Ein Stück über die Tragödie des Lebens, wenn wir uns begegnen und verfehlen.

Mit
Carlo Ljubek
Maria Schrader
Manfred Zapatka
Patrycia Ziolkowska
Cello Sue Schlotte

Regie Karin Beier
Bühne Jens Kilian
Kostüme Johanna Pfau
Musik Wolfgang Siuda
Choreografie Valenti Rocamora i Tora

Maria Schrader, Carlo Ljubek (Foto © Christian Brachwitz)

Aufführung

„Des Meeres und der Liebe Wellen“ im Landestheater Linz

Premiere 2. Dezember 2007

Die Sage von Hero und Leander, das Drama einer unbedingten Liebe, ist die Grundlage für Grillparzers Trauerspiel. Hero, eine junge Frau, wird, um der traditionellen Rolle als Ehefrau und Mutter zu entgehen, Priesterin. Sie geht ins Kloster und akzeptiert die Bedingungen und Vorschriften, über die in restriktiver Weise der Oberpriester, ihr Onkel, wacht. Heros Festtag, die Weihe zur Priesterin, an der auch das Volk und Besucher vom Festland teilnehmen dürfen, steht an. Unter den Besuchern befindet sich Leander, der, den Tod seiner Mutter betrauernd, nur widerwillig mit seinem Freund Naukleros mitgekommen ist. Die Begegnung von Hero und Leander im Augenblick ihrer Weihe zur Priesterin wird zum alles entscheidenden Augenblick. Diese Liebe auf den ersten Blick, die beide unvermittelt überfällt, ändert nicht nur Leanders melancholische Lethargie, sondern radikalisiert auch Heros Leben. Nach dem Fest wird Leander vom Oberpriester der Insel verwiesen. In der Nacht schwimmt er vom Festland zur Insel und dringt in Heros Turm ein. Trotz Verbot und Todesdrohung zögert Hero nicht, sich auf diese Liebe in all ihrer Unbedingtheit einzulassen.

Der Operpriester betreibt nun sein Werk der Vernichtung im Namen einer vermeintlich höheren Moral zur Rettung Heros. Er beschäftigt sie am nächsten Tag, bis sie völlig ermüdet und erschöpft einschläft, statt wachend auf Leander zu warten, und löscht die Lampe an ihrem Fenster, die dem Schwimmer den Weg durch die Klippen im Meer weisen sollte. Am nächsten Tag wird der Geliebte tot ans Meer gespült, worauf Hero vor Kummer stirbt.
Der etwas pretiös klingende Titel Des Meeres und der Liebe Wellen sollte im voraus“ – so Franz Grillparzer – „auf die romantische oder vielmehr menschlich allgemeine Behandlung der antiken Fabel hindeuten“. Heute zählt das Drama zu den innigsten, eigentümlichsten und vollendetsten Werken Grillparzers.
Textquelle: Website des Landestheaters Linz

Mit Nicole Reitzenstein (Hero), Sebastian Hufschmidt (Der Oberpriester, ihr Oheim), Jannek Petri (Leander), Alexander Gier (Naukleros,) Barbara Novotny (Janthe), Vasilij Sotke (Der Hüter des Tempels), Verena Koch (Heros Mutter), Lutz Zeidler (Heros Vater)

Inszenierung Peter Wittenberg
Bühne und Kostüme Marc Bausback
Dramaturgie Franz Huber

Aufführung

„Der Traum ein Leben“ im Aachener Stadttheater

Premiere 15. September 2007

Farbenprächtig und utopisch beschreibt Franz Grillparzer Welten der Phantasie und des Grauens in seinem Traumspiel.
Der Held Rustan träumt sich in eine bessere Welt, in ein glücklicheres Leben voller Größe und Ruhm. Die Ebenen von Wirklichkeit und Traum verschieben sich gefährlich. Er verlässt auf der Suche nach einem spannenderen Leben seine Liebe Mirza und deren Vater Massud und rettet mit Hilfe des Sklaven Zanga den Fürsten von Samarkand vor einem wilden Tier. Dieser verspricht ihm dafür seine Tochter und das Königreich. Doch auf dem Weg zu seinem großen Traum gleitet er ab inVerbrechen und Illegalität. Gibt es noch einen Weg zurück? Hat es sein altes, einfaches Leben überhaupt gegeben?

In Zeiten virtueller Realitäten und Informationsflut bringt Grillparzer auf den Punkt, was schon immer der Fall war: „Schatten sind des Lebens Güter / Schatten seiner Freuden Schar / Schatten, Worte, Wünsche, Taten / Die Gedanken nur sind wahr.“

Massud, ein reicher Landmann Heino Cohrs
Mirza, seine Tochter / Ein altes Weib Johanna Falckner
Rustan, sein Neffe Markus Haase
Zanga, Sklave Julia Brettschneider
Der König von Samarkand Karsten Meyer
Gülnare, seine Tochter Anne Wuchold
Der Mann von Felsen / der alte Kaleb Joey Zimmermann
Karkhan / Sigismund Sebastian Stert

Inszenierung Elina Finkel
Bühne Mascha Deneke
Kostüme Klaus Bruns
Dramaturgie Ann-Marie Arioli

Quelle: Website des Aachener Stadttheaters

Aufführung

„Die Jüdin von Toledo“ im Hessischen Staatstheater Wiesbaden

Premiere 17. November 2007

Übermütig setzt sich Rahel über das Verbot hinweg, die Gärten des Königs Alfonso zu betreten. Alfonso ist fasziniert von dem schönen Mädchen und bietet ihr samt ihrem Vater Isaak und der Schwester Esther Schutz vor dem aufgebrachten Volk. Denn es droht Krieg, und das Volk gibt den Juden dafür die Schuld.

Rahel schlägt den König zunehmend in ihren Bann, der in seiner kühlen Ehe mit Eleonore nicht glücklich ist und bisher keine Liebe kannte. Beunruhigt beobachtet sein Freund Garceran, wie Alfonso die Herrscherpflichten zunehmend vernachlässigt und sich, statt endlich entschlossen gegen die feindlichen Mauren vorzugehen, in ein Liebesverhältnis mit Rahel verstrickt. Die Königin und die Granden planen unterdessen die Entmachtung Alfonsos und die Ermordung Rahels. Spät – zu spät? – versucht Alfonso, die Macht wieder an sich zu reißen.

Franz Grillparzer war der bedeutendste österreichische Dramatiker des 19. Jahrhunderts. ‚Die Jüdin von Toledo’ gehört zu den späten Werken des Dichters. Unter der Folie des historischen Stoffes schafft Grillparzer psychologisch ausgelotete, von Emotionen und Zwängen zerrissene moderne Figuren. Alfonso ist zwischen erotischer Verlockung und öder Staatspflicht hin und her gerissen. Seine Unentschiedenheit muss Rahel mit dem Leben bezahlen. Mit Rahel schuf Grillparzer eine Figur, die in ihrer unbändigen Lebenslust und ihrer Unabhängigkeit von Regeln und Normen wie eine Vorläuferin von Wedekinds Lulu erscheint.
Textquelle: Website des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Alfonso VIII., König von Kastilien Sebastian Münster
Elenore von England, dessen Gemahlin Susanne Bard
Manrique, Graf von Lara Franz Nagler/Uwe Kraus
Don Carceran, dessen Sohn Jörg Zirnstein
Dona Clara, Ehrendame der Königin Katalyn Bohn
Isaak, Jude Rainer Kühn
Rahel, dessen Tochter Alexandra Finder
Esther, dessen Tochter Verena Güntner
Don Ramiro, 2. Bittsteller Lars Wellings
Don Roberto, 1. Bittsteller Tobias Randel
Der Prinz Paul Kaltwasser/Jakob Kaltwasser

Regie und Kostüme Konstanze Lauterbach
Bühne Andreas Jander
Musik Ernst August Klötzke

Aufführung

„Libussa“ im Düsseldorfer Schauspielhaus

Premiere 22. September 2007

Grillparzers opulentes Märchendrama ist eine Entdeckung: Die böhmische Königstochter Libussa, die aus göttlichem Geschlecht stammt, übernimmt nach dem Tod ihres Vaters die Regierung des Landes. Gefühl und Vertrauen, Milde und Demut bestimmen das Zusammenleben der Menschen in ihrem Staat. Ein schriftlich fixiertes Recht verweigert sie, weil sie einer starren Ordnung misstraut. Aber das fehlende Gesetz bringt Libussas soziales Experiment ins Wanken, es gibt Streit: die Männer verlangen nach Männerherrschaft, Libussa wird zur Heirat gezwungen. Sie heiratet Primislaus, den Mann, den sie liebt und der ihr einst das Leben rettete. Er nimmt die Regierungsgeschäfte in die Hand und demokratisiert und rationalisiert die Gesellschaft. Obwohl Libussa diesen praktischen Humanismus billigt, kostet sie die geplante Gründung einer Stadt schließlich das Leben. Bevor sie stirbt entwirft sie in einer großen Abschiedsrede ein visionäres Bild der Zukunft, warnt vor den Verblendungen durch Eigennutz und Entfremdung und fordert Demut von den Menschen. Nur dann hätten Kultur und Weisheit in einer neuen Epoche wieder ein Zuhause. ‚Libussa‘ ist eine Geschichte des Übergangs, die auf die Sage von der Gründung der Stadt Prag zurückgeht: Prag (Praha) heißt Schwelle. Das Stück, das 1874 am Burgtheater in Wien uraufgeführt wurde, konfrontiert das ‚goldene‘ Zeitalter eines Naturzustandes mit einer modernen Welt, in der die Selbstbestimmung des Einzelnen schwierig geworden ist.
Textquelle: Website des Düsseldorfer Schauspielhauses

Mit Katherina Lange, Anne Knaak, Janina Sachau, Michele Cuciuffo, Heiko Raulin, Daniel Graf, Herbert Schäfer, Julie Bräuning, Esther Hausmann, Charis Nass, Andrea Dewell, Alexandra Lowygina, Sandra Pohl, Peter Harting, Mariannne Hoika, Winfried Küppers, Sören Messing, Jean-Luc Bubert, Firat Baris Ar, Mario Klischies, Denis Geyersbach, Dagny Dewath, Bianca Künzel, Dorit Passiep, Venus Hosseini

Inszenierung Konstanze Lauterbach
Bühne Andreas Jander
Kostüme Daniela Villaret
Musik Achim Gieseler

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