In ihrer "Posse mit Gesang" geht es Elfriede Jelinek nicht um eine Verunglimpfung der Familie Hörbiger, wie oft behauptet wurde. Sie möchte vielmehr die gängigen kulturpolitischen Klischees vom Staatsdichter Grillparzer, dem Kunstelysium Burgtheater und der Berufung des Schauspielers zum "Menschenbildner" kritisch hinterfragen. Dieses Anliegen versucht sie mit gezielten Verfremdungseffekten am inhumanen Verhalten einer Schauspielerfamilie während des 2. Weltkriegs, ihrer opportunistischen Sprachmanipulation und der tragikomischen Verballhornung von Grillparzer´s "Preisrede auf Österreich" aus dem Ottokar-Drama sinnfällig zu machen. Sie erweist sich damit nicht als "Nestbeschmutzerin", sondern als kassandrahafte Warnerin.

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