Aufführung

„Des Meeres und der Liebe Wellen“ im Volkstheater Wien

Eine Produktion des Volkstheaters Wien, Theater in den Bezirken, Premiere 3. März 2004

Eine junge Frau, Hero, um der traditionellen Frauenrolle als Ehefrau und Mutter „an Gattenhand“ zu entgehen, wird Priesterin im Tempel der Aphrodite auf der Insel Sestos; geht also, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, um frei zu sein, ins Kloster, und die Verpflichtung zur Ehelosigkeit erscheint ihr mehr als Privileg, denn als Entsagung. Auch fällt ihr weder die verdrehte Logik auf, die die Priesterin der Liebesgöttin mit Liebesverbot belegt, noch, dass alle Macht im Priesterstaat in den Händen ihres Onkels, des Oberpriesters, liegt, der die restriktiven Regeln der Sestos-Sekte unerbittlich exekutiert: Heros Freiheit und Selbstbestimmung sind strikt begrenzt.

Materialien, Pressestimmen

Die Weihe zur Priesterin, mit der Heros Entscheidung für immer unumstößlich wird, wird als Fest, an der auch das Volk und Besucher vom Festland teilnehmen dürfen, als Machtdemonstration der Priesterschaft gefeiert. Unter den Besuchern nun Leander, der, den Tod seiner Mutter betrauernd, wenig Lust auf Festlichkeiten hat und nur widerwillig mit einem Freund, Naukleros, der ihn unbedingt aus seiner Melancholie reißen will, mitgekommen ist. Die Begegnung von Hero und Leander im Augenblick ihrer Weihe zur Priesterin, diese Liebe auf den ersten Blick, das Verlangen leidenschaftlichen Begehrens also, das beide im Tempel der Aphrodite unvermittelt überfällt, beendet nicht nur Leanders melancholische Lethargie, sondern auch Heros so vernünftigen Lebensplan; und ihr Entschluss zu Freiheit und Selbstbestimmung definiert sein Ziel vollends neu, als Leander, nach dem Fest vom Oberpriester der Insel verwiesen, in der Nacht vom Festland zur Insel schwimmt und in Heros Turm eindringt: im Bewusstsein von Verbot und Todesdrohung zögert sie kaum, sich auf die Gewissheit dieser Liebe in aller Unbedingtheit einzulassen.

Jung und gemäß ihrem aufrechten Wesen hat sie jedoch, um ihre Liebe zu schützen, den Ränken ihres Onkels, des Oberpriesters, wenig entgegenzusetzen; zumal dieser sein Werk der Vernichtung im Namen einer vermeintlich höheren Moral zur Rettung Heros betreibt: sobald er die von der Liebesnacht trunken-müde Hero verdächtigt, in der Nacht unmittelbar nach ihrem Zölibats-Gelübde einen Mann in ihren Turm eingelassen zu haben, beschäftigt er sie mit Aufträgen, um sie vollends zu ermüden; und als sie erschöpft einschläft, statt wachend auf ihr nächtliches Stelldichein mit Leander zu warten, löscht er die Lampe, die dem Schwimmer den Weg durch die Klippen weisen soll …

Franz Grillparzer (1791–1872), der in seinen Stücken dem Obsessiven, oft dunkler, selbstzerstörerischer Leidenschaftlichkeit nachspürt, beschreibt die Liebe von Hero und Leander in „Des Meeres und der Liebe Wellen“ (1831 uraufgeführt) als jung-strahlende, in ihrer Unbedingtheit gänzlich unschuldige Leidenschaft, das Erwachen von Sinnlichkeit und Sexualität als ursprünglich-hinreißende Lebendigkeit; düster und tödlich in diesem Stück ist die starre Macht-Ordnung der Sestos-Sekte, die im Namen der Liebesgöttin Aphrodite Liebe und Sinnlichkeit ausschließt, menschliche, gar weibliche Selbstbestimmung strikt reglementiert und zur Selbsterhaltung eine Moral bereithält, die jede Vernichtung legitimiert. So gesehen hat das Stück kaum an Aktualität eingebüßt: nach wie vor sind wir mit restriktiver Moral und Macht-Anmaßung konfrontiert, die mit Bösartigkeit und Vernichtungs-Gräuel zum Zwecke der eigenen moralisch höheren, also guten Sache keinerlei Probleme hat; und nicht nur konservativen Selbstbeschränkungs-Ideologien, sondern auch der sogenannten Spaßgesellschaft, deren Freizügigkeitsgetue ausschließlich an Oberflächenreizen entlangkreischt, ist eine so unbedingte Leidenschaft wie die Heros und Leanders ein Ärgernis.

Hero Jaschka Lämmert
Oberpriester Alfred Rupprecht
Leander Rafael Schuchter
Naukleros Simon Hatzl
Janthe Ursula Strauss
Hüter des Tempels Roger Murbach
Heros Vater Wolfgang Klivana
Heros Mutter Linde Prelog

Inszenierung Wolfgang Palka
Bühne Martina Tscherni
Kostüme Mimi Zuzanek

Jaschka Lämmert, Ursula Strauss

Jaschka Lämmert, Rafael Schuchter

Simon Hatzl, Rafael Schuchter

Simon Hatzl, Jaschka Lämmert, Rafael Schuchter

Zum Seitenanfang