Samstag, 24. September 2011, 15 Uhr

Josef Danhauser. Bilderzählungen
Gemeinsamer Besuch der Sonderausstellung im Unteren Belvedere (Orangerie), 1030 Wien, Rennweg 6

Im Zentrum der Ausstellung steht der Geschichtenerzähler Josef Danhauser (1805–1845). Danhauser war wie kein anderer Künstler seiner Zeit fähig, den inhaltlichen Gehalt von literarischen Texten, sei er historischer, religiöser oder rein erzählerischer Natur, in eine bildhafte „Sprache“ umzusetzen. Jedem Betrachter ist es dadurch möglich, aus der Darstellung eine ganze Geschichte herauszulesen – vorausgesetzt, er lässt sich auf das Schauen ein. Gesten, Mienen, Bewegungsabläufe sind das „Vehikel“ dieser Bilderzählungen, dahinter steckt viel Humor, der Mut zur Satire – vor allem aber das Beobachten von Menschen und die Fähigkeit, die kleinen menschlichen Fehler pointiert, vielleicht auch überspitzt zu veranschaulichen. Von großem Einfluss auf Josef Danhauser waren der erzählerische Reichtum, sowie die vielgestaltigen Anspielungen und der Witz von William Hogarths Bilderfolgen The Rake’s Progress oder Marriage à la mode. Zeit seines Lebens wird Danhauser damit hantieren und dieses Vorbild subtil und eigenständig für seine Darstellungen nutzen. Auf dieser Basis beruhen seine bedeutendsten Werke wie etwa Der reiche Prasser und Die Klostersuppe oder Die Testamentseröffnung.

Josef Franz Danhauser (*18. August 1805 in Wien; †4. Mai 1845 ebenda) war ein österreichischer Maler und Grafiker der Biedermeierzeit.

Josef Danhauser war der Sohn des Möbelfabrikanten und Bildhauers Joseph Ulrich Danhauser und dessen Frau Johanna Lambert und wurde im Hause Laimgrube Nr. 30 geboren. Seine jüngeren Brüder waren Franz, Carl und Anton Danhauser.

Der Vater erteilt ihm den ersten Zeichenunterricht, ab 1820 besuchte er die Akademie der bildenden Künste Wien bei St. Anna und war dort im Fach Historienmalerei Schüler von Johann Peter Krafft. 1826 stellte er dort erste Arbeiten aus. Johann Ladislaus Pyrker, der Patriarch von Venedig, lud Danhauser nach Venedig ein, wo er die italienischen Meister studieren konnte, und kehrte im gleichen Jahr über Triest mit Pyrker nach Wien zurück. 1827 hielt sich Danhauser mit seinem Vater kurze Zeit in Prag auf. In diesem Jahr nahm er dem verstorbenen Ludwig van Beethoven die Totenmaske ab. Pyrker, der nunmehr Erzbischof von Erlau geworden war, berief Danhauser 1828 zu sich, wo er vor allem im Auftrag der Kirche Arbeiten ausführte.

1829 starb der Vater und Josef Danhauser musste die väterliche Möbelfabrik übernehmen. Diese Tätigkeit beanspruchte ihn derart, dass er einige Zeit nicht mehr künstlerisch tätig war. Er entwarf aber in den nächsten Jahren Möbel, die stilbildend in Wien wurden.

1832 hielt sich Danhauser wieder in Erlau auf und nahm die Malerei wieder auf. 1836 erhielt er den Akademiepreis für das Gemälde Die Verstoßung der Hagar. Er wandte sich nunmehr der Genremalerei zu, wobei seine bedeutendsten Werke entstanden. 1838 wird er Korrektor für Historienmalerei an der Akademie und heiratet im selben Jahr Josephine Streit, die Tochter eines Arztes. Gemeinsam bekommen sie drei Kinder, Josef (1839), Marie (1841) und Julie (1843).

1841 wird Danhauser Professor für Historienmalerei an der Akademie. 1842 legte er aber sein Amt wieder nieder, da er nunmehr eine lange geplante Reise mit dem Wiener Fabrikanten und Kunstmäzen Rudolf von Arthaber unternahm. Über Gastein reiste er nach Deutschland und Holland. 1845 stirbt Josef Danhauser an Typhus. Er wurde auf dem ehemaligen Hundsturmer Friedhof beigesetzt und erhielt nach dessen Auflassung ein Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof. 1862 wurde die Danhausergasse in Wien nach dem Künstler benannt.

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