Bertas Lied in der Nacht

Nacht umhüllt
Mit wehendem Flügel
Täler und Hügel
Ladend zur Ruh’.
Und dem Schlummer
Dem lieblichen Kinde,
Leise und linde
Flüstert sie zu:
„Weißt du ein Auge,
Wachend im Kummer,
Lieblicher Schlummer,
Drücke mir’s zu!“
Fühlst du sein Nahen?
Ahnest du Ruh?
Alles deckt der Schlummer,
Schlumm’re du, schlumm’re auch du.
 In der Fremde


Schon bin ich müd zu reisen,
Wär's doch damit am Rand,
Vor Hören und vor Sehen
Vergeht mir der Verstand.
So willst Du denn nach Hause?
O nein! Nur nicht nach Haus!
Dort stirbt des Lebens Leben
Im Einerlei mir aus.
Wo also willst Du weilen?
Wo findest Du die Statt?
O Mensch, der nur zwei Fremden
Und keine Heimat hat.

Ständchen


Zögernd stille,
In des Dunkels nächt'ger Hülle
Sind wir hier;
Und den Finger sanft gekrümmt,
Leise, leise,
Pochen wir
An des Liebchens Kammerthür.
Doch nun steigend,
Hebend, schwellend,
Mit vereinter Stimme Laut
Rufen aus wir hochvertraut:
Schlaf du nicht,
Wenn der Neigung Stimme spricht!
Sucht' ein Weiser nah und ferne
Menschen einst mit der Laterne;
Wieviel seltner dann als Gold
Menschen uns geneigt und hold?
Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht,
Freundin, Liebchen, schlaf du nicht!
Aber was in allen Reichen
Wär' dem Schlummer zu vergleichen?
Was du hast und weißt und bist,
Zählt nicht was der Schlaf vergißt.
Drum statt Worten und statt Gaben
Sollst du nun auch Ruhe haben.
Noch ein Grüßchen, noch ein Wort,
Es verstummt die frohe Weise,
Leise, leise,
Schleichen wir uns wieder fort!

Juliana Banse singt ‹Ständchen›, Musik Franz Schubert (Quelle: YouTube)
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